Museo Nacional de Arte Decorativo
Museo Nacional de Arte Decorativo Ministerio de Cultura
 
 

 

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DIE FAMILIEN

Die Familien Errázuriz und Alvear, beide spanischen Ursprungs, kamen im 18. Jahrhundert nach Amerika. Die Errázurizes ließen sich in Chile nieder. Unter den Familienmitgliedern gab es Präsidenten, Politiker, Kaufmänner und Universitätsprofessoren, die großen Einfluss auf die chilenische Gesellschaft ausübten.
Die Alveares, die nach Argentinien einwanderten, nahmen seit dem Ende des 18. Jahrhunderts eine führende Rolle im politischen und sozialen Umfeld ein. Josefina de Alvear und der Diplomat Matías Errázuriz Ortúzar gingen im April 1897 in der Kathedrale von Buenos Aires eine Eheschließung ein.

Von 1906 bis 1917 lebten Josefina, Matías und ihre beiden Kinder Matías (Mato) und Josefina (Pepita), die im Stadtteil Montserrat in Buenos Aires geboren waren, wegen den diplomatischen Aufträgen von Errázuriz in Europa in Frankreich. In dieser Zeit erwarb das an Kunst und Antiquitäten interessierte Ehepaar eine wertvolle Sammlung europäischer und orientalischer Kunst. In diesem Zeitraum wurde ebenfalls der Familienwohnsitz geplant und errichtet: das zukünftige Museum.

Mit der Rückkehr nach Buenos Aires wurde das Haus der Errázuriz Alvear mit einer großen Feier eingeweiht und entwickelte sich zum Mittelpunkt eines intensiven gesellschaftlichen Lebens. 1935, nach dem Tod Josefinas, boten Don Matías und seine Kinder dem argentinischen Staat das Haus und die Kunstsammlungen zum Kauf an, mit der Bedingung, dass dort ein neues Museum eingerichtet wurde.

DIE RESIDENZ    Museo Nacional de Arte Decorativo  (Nationalmuseum für dekorative Kunst)

Am 18. Dezember 1937 erwarb der argentinische Staat gemäß Gesetz 12351 die Residenz und die Kunstsammlungen und schaffte damit das Museo Nacional de Arte Decorativo (Nationalmuseum für dekorative Kunst).
Der französischen Architekt René Sergent. lieferte 1911 den Entwurf für das Gebäude, welches ein Beispiel des Eklektizismus ist. Der Bau wurde während der ersten Jahre des Ersten Weltkrieges realisiert, weswegen sich die Fertigstellung bis 1917 verzögerte.
Das Team von Sergent bestand aus einer ausgewählten Gruppe von Dekorateuren, die auf Inneneinrichtungen und Gärten spezialisiert waren. An den Räumen arbeiteten H. Nelson, G. Hoentschel und M. Carlhian; an den Gärten der Landschaftsgärtner A. Duchêne. Die Materialien wurden aus Europa eingeschifft: Holztäfelungen, Spiegel, Marmor, Hölzer, Zierleisten und Espagnoletten; für einige spezifische Stuckarbeiten ließ man Künstler aus Europa kommen.
Das beindruckende und nüchterne Äußere ist vom französischen Neoklassizismus inspiriert, insbesondere von den Werken von Jacques A. Gabriel, dem Architekten des Hofes von Ludwig XV.
Die vier Ebenen des Hauses sind von außen sichtbar: im Fußgestell öffnen sich die Fenster zum Untergeschoss. Die gigantischen korinthischen Säulen an der Fassade umrahmen die beiden wichtigsten Stockwerke, das Erdgeschoss, das durch die gewölbten Türen an den Garten und an die Terrasse angrenzt, und das erste Obergeschoss, in welchem sich die Gemächer der Familie befanden. Im Obergeschoss waren die Zimmer der Dienstboden, deren Fenster durch eine Balustrade verborgen sind.

INNENRÄUME  Erdgeschoss

Vestibül.. Die Wände und die Zimmerdecke sind gänzlich mit Pariser Stein ähnlichem Material verkleidet. Die Haupttreppe führt zum Erdgeschoss. Der Stil von Ludwig XVI wurde erreicht, indem man jonische Pfeiler, Bögen und eine mit Einsatzrosen überwölbte Decke in die Ausstattung einschloss. Über dem Gesims verstärken musikalische, architektonische, skulpturelle und malerische Allegorien den neoklassizistischen Charakter.

Das Vorzimmer ist ebenfalls neoklassizistisch gestaltet. Hier drückt sich der Stil Ludwig XVI in den gebohnerten Eichenholztäfelungen mit Zierleisten und Holzschnitzereien aus, die Zimmerdecke – mit zentralem Oberlicht – ist mit Gipsleisten dekoriert. Dieses Zimmer schafft Verbindungen zu vier weiteren Sälen, dem Treppenaufgang und dem Aufzug.

Die Große Renaissancehalle ist der größte Saal der Residenz, der einzige mit doppelter Höhe, und die Achse des Hauses, um welche sich alle Aktivitäten entfalteten.
Die Zimmerdecke  ist mit Einsatzrosen und verbleitem Glas verziert; darüber stützt eine verborgene Struktur großer Eisenbalken die fünf großen Lüster. Das Parkett ist in einem Sternenmuster gestaltet, das Ahorn- und Nussbaumhölzer kombiniert. Die hohen Fenster aus unterschiedlich getöntem Glas, die Dekoration der Decke, die Rolle des Kamins und die mit Wandteppichen und Holz bedeckten Wände erinnern an einige englische Säle des 16. Jahrhunderts in der Tudorzeit.

Speisesaal. Don Matías Errázuriz und Doña Josefina de Alvear organisierten regelmäßige Essen und gesellschaftliche Zusammenkünfte, für welche sie diesen prächtigen Raum planten. Der Palast von Versailles diente als Inspiration und der Herkulessalon als das gewählte Modell. Die barocke Atmosphäre wurde durch die Kombination von Marmor aus den Steinbrüchen von Carrara und dem französischen Zentralmassiv erreicht.

Der Wintergarten bietet eine ästhetische Verbindung zwischen dem Speisesaal und dem Ballsaal. Die Wahl des schlichten Stils Ludwig XVI ist das Design betreffend fundamental. Die mit den hellen Hölzern und den Vergoldungen im Regentschaftssaal übereinstimmende Farbe der Wände und die Beschaffenheit der Maserung des Marmors, in diesem Raum durch Stuck ersetzt, schaffen eine gute Kombination mit der Täfelung des Speisesaals.

Der Ballsaal beschwört die Jahre der Regentschaft und den Übergang vom feierlichen Prunk des Barock zur harmonischen Anmut des Rokoko hinauf. Im Design herrschen kurvige Linien vor. Die Zierleisten, die Holztäfelung, welche sich mit der Zimmerdecke in  einem ansehnlichen gewellten Schnitzwerk vereint, die Winkel des Saales und die Vereinigung seiner Wände mit der Decke basieren auf kurvigen Linien. Die hellen Farben, die Verwendung des Lichtes und seiner Reflexion,  der großzügige Einsatz von Blattgold und die zahlreichen Spiegelbahnen lassen eine genaue Einschätzung der realen Ausmaße des Raumes nicht zu.

Im Damenzimmer mit seinen bequemen Sesseln, den Tischen und Sekretären aus dem 18. Jahrhundert, bevorzugte Doña Josefina de Alvear ihre Gäste zu empfangen. Die Verkleidung mit Paneelen aus bemaltem Holz, die aufgezogenen Zierleisten und Türsimse, beschwören den Einfluss, den die Königin Marie Antoinette auf die Ausstattung hatte. Die Lüster aus Bronze und Kristall wurden von Modellen im Großen Trianon von Versailles inspiriert.

Das Schreibzimmer von Don Matías Errázuriz ist das Werk des französischen Ausstatters André Carlhian (1887-1963). In ihm werden geschnitzte und gebohnerte Eichenpaneele und mit rotem Samt bezogene Abschnitte kombiniert. In diesem Ambiente genas Don Matías seine Augenblicke einsamer Meditation, umgeben von Gemälden aus dem 19. Jahrhundert, japanischen Lacken und chinesischem Porzellan.

Das erste Obergeschoss war für die privaten Räume der Familie reserviert. Jedes Familienmitglied verfügte über eine eigene Wohnung mit privatem Aufenthaltsraum, Schlafzimmer, Ankleidezimmer, Badezimmer und Toilette.

Die Gobelin-Galerie umgab die Große Halle von drei Seiten. In ihr wurden französische und flämische Textilien, sowie Möbel und Gemälde aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert ausgestellt.

 Der Sert-Saal war das Boudoir von Matías Errázuriz Alvear und hat seinen heutigen Namen in Gedenken an den Mann, der für seine Art Déco-Ausstattung verantwortlich war: den katalanischen Maler Josep María Sert (1876-1945). Die mit Stuck verkleideten Wände, die enormen Deckenbalken, die mit Blattgold verzierten Türen und die vier Gemälde sind Teil des Entwurfes des spanischen Künstlers.

Die Vorzimmer und das Schlafzimmer von Matías Errázuriz Alvear, welche die Wohnung des Sohnes vervollständigen, verfügen nicht mehr über das ursprüngliche Mobiliar, das beim Verkauf des Hauses zurückbehalten wurde. Dafür sie sind mit einem außerordentlichen Ensemble von Möbeln und Objekten im neoklassizistischen Stil ausgestattet, den Zeitraum von Ludwig XVI bis Napoleon I umfassend.

Der Zubov-Saal. Was damals ein Familienzimmer war, beherbergt heute eine Sammlung von Miniaturen, welche die Gräfin Rosario S. de Zubov in Gedenken an ihre Tochter Tatiana stiftete. Im Jahre 2000 kam die Sammlung Asinari Di Barnezzo hinzu. Die Sammlung verfügt in ihrer Gesamtheit über eindrucksvolle Beispiele europäischer Porträts im Kleinformat vom 16. bis zum 19. Jahrhundert und kann sich mit den wichtigsten Sammlungen in Frankreich und England messen.

 

Tradución gentileza de Depto. de Programación Cultural
Goethe-Institut Buenos Aires
www.goethe.de/buenosaires
IntProg@buenosaires.goethe.org

 

 
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